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Das «Familienfest» feiert
Geburtstag
Dieses Wochenende steigt das 30. Bieler
Festival. Ein kurzer Rück-, Aus- und Umblick mit den beiden Hauptinitianten,
Guitol und Tristan Triponez.
(Tobias Graden)
Tristan: «Ob es den Bieler Geist gibt? Ich weiss nicht
...»
Guitol: «Ich kenne mich zu wenig aus ...»
Tristan: «Man hat mittlerweile sicher mehr Möglichkeiten
aufzutreten.» René Triponez, besser bekannt als Guitol,
und sein Sohn Tristan spechen über die Bieler Musikszene. Kaum
jemand kennt sie besser als die beiden. Guitol ist schon seit über
30 Jahren dabei. Zu Beginn mit seiner Band Top Rats, heute immer noch
als Sänger von Yellow Snow. Sohn Tristan Triponez verfolgt als
Amos Corny ein Soloprojekt, spielt mit The Lovejoys und steckt hinter
Grossprojekten wie weiland Salmonella Q oder Future Shock, mit denen
mehrstündige Revuen aufgeführt wurden. Und das Bieler Festival
ist nicht nur ein «Familientreffen» der Bieler Musik-szene,
es ist auch eine Familienangelegenheit der Triponez'. Guitol hat es
ins Leben gerufen und 20 Jahre lang organisiert, Tristan zeichnete die
letzten zehn Jahre mit Borowitch Productions verantwortlich. Heute steigt
die Jubiläumsausgabe, das Bieler Festival wird30.
Guitol, warum haben Sie das Bieler Festival 1976 ins Leben gerufen
Guitol: «Schwer zu sagen ... Wir wollten einfach mit den Top Rats
alle Jahre ein Konzert geben und haben noch andere Bands eingeladen.
Anfänglich nur wenige, dann ist es gewachsen. Damals gab es noch
die IGBM, die Interessengemeinschaft Bieler Musiker, die
wurde sogar subventioniert. Die 80er-Jahre waren eine gute Zeit für
die Bieler Musikszene.»
Tristan: «Biel war doch eine Zeitlang bekannt als Gitarrenstadt.»
Guitol: «Rockstadt hiess es. Daran waren wir nicht
unschuldig.»
Tristan: «Das ist bescheiden formuliert.»
Das Bieler Festival ist - mit einer Ausnahme, aber davon später
- in all den Jahren seiner Linie treu geblieben. Man verzichtet auf
teure Headliner, bietet stattdessen noch unbekannten regionalen Bands
die Möglichkeit, vor einem grossen Publikum aufzutreten. Stilistische
Grenzen gibt es kaum, seit Beginn ist das Bieler Festival ein «eklektisches
Pop- und Rockfestival», wie es Tristan Triponez formuliert.
Guitol: «Der Stil hat nie eine Rolle gespielt.»
Tristan: «Genau. Hip-Hop ist ja auch Rock, sozial gesehen.»
Tristan Triponez, haben Sie als Sohn von Guitol gar nicht anders gekonnt,
als in die Bieler Musikszene hineinzuwachsen?
Tristan: «Ich habe mich zuerst geweigert, Gitarrenstunden zu nehmen.»
Guitol: «Wir haben dich nie gezwungen!»
Tristan: «Nein. Ich hab dann eben erst mit 16 Jahren autodidaktisch
angefangen.»
Wann sind Sie denn zum ersten Mal aufgetreten?
Tristan: «Zwei Jahre später, ich habe Handorgel gespielt
als Gast in der damaligen Band meines Vaters.»
Guitol: «G. & The Swing Machine.»
Tristan: «Genau. Wir spielen heute noch sporadisch zusammen. Ab
und zu ...»
Guitol: «... missbraucht ihr mich.»
Einmal stand das Bieler Festival vor dem finanziellen Abgrund. Es war
die letzte Jubiläumsausgabe vor fünf Jahren, der Anlass fand
im (zu) grossen Centre CTS statt. Es war das erste solche Event im CTS,
man hatte keine Erfahrungswerte, die Infrastruktur erwies sich als viel
zu teuer für den durch grosse Bands erweiterten, aber nach wie
vor nichtkommerziell orientierten Anlass. «Das Defizit ist mittlerweile
abgetragen, dank fünf Jahren harter Arbeit und dem Entgegenkommen
der Gläubiger», sagt Tristan Triponez.
Jetzt feiert der Anlass den 30. Geburtstag - hätten Sie da nicht
Lust gehabt, ein richtig pompös grosses Festival auf die Beine
zu stellen?
Tristan: «Es spielen 15 Bands, das ist doch gross. Wir haben zwei
Bühnen und ein zusätzliches Spezialprogramm. Aber wir wollten
bewusst keine grossen, teuren Bands.»
Guitol: «Das war immer der Geist des Festivals: Keiner ist wichtiger
als die anderen.»
Tristan: «Wir haben stets auch ganz junge Bands gebracht.»
Guitol: «Und die alten Säcke.»
Tristan: «Darum findet das Festival seit 1985 regelmässig
im Gaskessel statt, wo ein Anti-Kommerz-Geist herrscht und die Eintrittspreise
eine gewisse Obergrenze nicht überschreiten dürften. Wer wirtschaftlich
wachsen will, muss aus dem AJZ ausziehen. Ich finde das gut so.»
Guitol: «Wäre Biel eine Grossstadt, das Festival wäre
weltbekannt. Aber wir sind uns treu geblieben.»
Die diesjährige Ausgabe des Bieler Festivals wird die letzte unter
der Ägide eines Triponez-Familienmitglieds sein. Zehn Jahre sind
Tristan Triponez genug, während zwei Monaten sei er durch die Organisation
stark absorbiert, nun wolle er sich vermehrt anderen Projekten widmen.
Organisationsnachfolger sind herzlich willkommen.
Und wenn sich kein Nachfolger findet? Werden Sie sich dann doch erbarmen?
Tristan (lächelt): «Nein.»
Und das macht Sie nicht traurig?
Tristan: «Es ist doch besser, man hört auf, wenn etwas gut
ist. So kann man nachher die Vergangenheit idealisieren.»
Guitol: «Wenn man bedenkt ... 30 Jahre ... Ich hätte nie
gedacht, dass das Festival so alt wird. Das ist ja wahnsinnig. Das ist
wohl doch der Bieler Geist.»
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